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Kaum zu Hause meldet sich Pfarrer Martin zu Wort
© Pfarre Hildegard Burjan, Teilgemeinde Rudolfsheim

Nach dem schweren Verkehrsunfall von Pfarrer Martin wurden uns immer wieder Fragen gestellt auf die wir keine konkrete Antwort geben konnten. Nun erzählt unser Pfarrer selbst vom Unfallhergang und von seinem Krankenhausaufenthalt. Nachstehend sein Brief an die Gemeinde.

Liebe Gemeinde, liebe Freunde!

für die vielen Genesungswünsche, die Hilfsangebote und vor allem die viele Gebete nach meinem schweren Unfall danke ich Ihnen allen von Herzen. Gott vergelte es euch!

© Leopold Mantler

Am Mittwoch, den 8. November gegen 16.45 Uhr war ich zu Fuß unterwegs von der Kirche Rudolfsheim über den Rustensteg zu einem Krankenbesuch in Schönbrunn-Vorpark. Es war schon dunkel und regnerisch, als ich aus dem Fußtunnel auf den Fußgängerüberweg über die Avedikstraße gehen wollte. Ich hatte keine Eile, schaute links und rechts bevor ich über den Zebrastreifen ging. Die näherkommenden Autos schienen mir noch weit genug entfernt - so meine letzte Erinnerung.

Im Schockraum des Allgemeinen Krankenhauses bin ich aufgewacht. Schmerzen über Schmerzen im Kopf. Der betreuende Arzt sprach auf mich ein: „Sie haben großes Glück gehabt. Wissen Sie was passiert ist? Können Sie sich an etwas erinnern? Sie haben eine Schädelfraktur, einen Schädelbasisbruch und Schädelbruch. Blutgerinnsel befinden sich noch in Ihrem Kopf. Aber großes Glück – wenn sich das alles zurückbildet, sind Sie wieder normal.“  Danach wurde ich auf die Pflegestation gebracht.

In den ersten Tagen haben mich sehr die Schmerzen geplagt, natürlich die Sorge um die Gesundung gequält. In den vielen schlaflosen Nächten habe ich den Rosenkranz betrachtet, rauf und runter gebetet. Das hat mir geholfen, aber auch wieder erschreckt, weil die Zeitlinie zwischen dieser Welt und der jenseitigen verschwunden ist. Dabei würde ich doch noch gerne hier sein. Zeit verbringen mit den vielen Freunden und der Familie und den Aufgaben und Plänen.

Am siebten Tag im Spital kam eine Frau ins Zimmer: „Herr Martin Rupprecht? Darf ich mit Ihnen sprechen? Ich bin die Ehefrau des Autolenkers, der Sie umgefahren hat. Mein Mann kann seither nicht mehr schlafen. Er schämt sich so und es tut ihm so weh, was passiert ist.“ – Wir sprachen kurz über meinen Zustand und gingen aus dem Krankenzimmer.

Hier wartete ihr etwa 60-jähriger Mann, geplagt von Schuldgefühl und Mitleiden. Weinend umarmten wir uns ohne Worte, irgendwie verbunden im Schicksal. Dann versuchten wir den Unfall zu rekonstruieren: ich war ganz normal über den Zebrastreifen gegangen. Durch meine schwarze Kleidung am Abend und wegen des Regens konnte mich der Fahrer aber nicht erkennen: „Ich habe sie einfach nicht gesehen. Noch nie habe ich im Leben einen Unfall gehabt, aber der Fußgängerschutzweg ist der Garant dafür, dass Sie geschützt sind. Auch wenn alles dunkel war, die Verantwortung liegt bei mir. Bitte verzeihen Sie mir!“

Eine Verkettung unglücklicher Umstände – so könnte man das Unglück auch benennen. Und doch: was für ein Glück!

Obwohl mich das Auto ungebremst am linken Oberschenkel getroffen hat, sind alle Glieder heil, nichts ist an den Füßen gebrochen. Meine Leidenschaft, das Laufen, kann ich wohl fortsetzen.

(Pfarrer Martin Rupprecht)