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Gedanken zum Fasten

Wir alle wissen, dass mit dem Zeitwort „fasten“ ein für kurze oder längere Zeit freiwillig gewähltes Verzichten auf Speise und Trank, auf bestimmte Genüsse im Alltag, auch auf lieb gewonnene Tätigkeiten und vieles andere gemeint ist. In vielen Kulturvölkern ist der Verzicht auf Speise und Trank aus religiösen Motiven bekannt. Das Wort FASTEN selbst wurde bereits im 5.Jahrhundert im Zuge der gotischen Missionierung allen germanischen Sprachen und auch dem Slawischen vermittelt. Von Anfang an heißt es im Gotischen FASTAN, im mittelalterlichen Deutsch wie heute FASTEN, und höchstwahrscheinlich hängt dieses Zeitwort mit dem Eigenschaftswort „fest“ zusammen und bedeutete ursprünglich so viel wie „festhalten an den (Fasten)Geboten“.

In Vergessenheit geraten ist, dass im fünften Gebot der Kirche aufgerufen wird: „Du sollst die gebotenen Fasttage halten“. Es sind in unserer Zeit ohnedies nur wenige, die uns durch Entsagung und Buße auf liturgische Feste vorbereiten sollen. Die 40tägige Fastenzeit, im Lateinischen QUADRAGESIMA genannt, soll auf das Fest der Auferstehung, auf das hohe Osterfest innerlich vorbereiten. Durch „die Fasten“, das Hauptwort in der Mehrzahl für die Fastenzeit, begleitet uns die Liturgie, die selbst durch den Verzicht auf das Gloria und Halleluja in der Eucharistie quasi fastet.

Was wir persönlich dazu beitragen können, lässt sich in drei Schritten sehr knapp beschreiben: (1) Ein Stillewerden und eine innere Einkehr, die zur Einsicht und Erkenntnis der eigenen Schwächen führen; begleitet wird dieser erste Schritt durch Beten und Betrachten der Bibeltexte. Von hier ist der Sprung zum Schritt (2) nicht weit: Wir sehen ein, bereuen, kehren um, legen auch ein Bekenntnis ab und bekunden den Willen zur Besserung (in der Buße), die sich darin ausdrückt, dass wir sie nicht nur uns selbst und Gott gegenüber äußern, sondern (3) auch gegenüber den Mitmenschen im Bemühen, sich mit dem Nächsten zu versöhnen und Almosen zu geben; das heißt letztlich das, was wir als „Genugtuung leisten“ bezeichnen.

Der zeitliche Weg zur Freude in der Osternacht dauert also 40 Tage. In dieser Zeit ist uns die Gelegenheit zum Empfang des Sakramentes der Versöhnung geschenkt, zu der wir mit Gebeten (auch) aus dem Alten Testament aufbrechen können. Unter den 150 Psalmen finden sich sieben so genannte Bußpsalmen (Ps 6, 32, 38, 51, 102, 130, 143), die vor allem im Mittelalter in der Fastenzeit gebetet wurden, sie sind Ausdruck eines reumütigen Bekennens der eigenen Schuld, zugleich Zeichen des Aufbruchs zum neuen Leben, das in der Auferstehung zum ewigen Leben umgestaltet werden wird.

                                                                                                                                          HT

(Univ.-Prof. Dr. Herbert Tatzreiter)